Ab und an werde ich gefragt, warum ich mich für Rallye begeistere. Die sich daran oft unmittelbar anschließende Frage ist, wie ich dazu kam.

Die Warum-Frage wird meist von den Leuten gestellt, die gar nichts mit Rallye anfangen können, für die Rallye absurd ist. Diese Frage ist nicht beantwortbar. Wieso können sich Menschen für 100 Meter-Lauf, Kegeln, Tauben züchten oder Würmer baden (Angeln) begeistern?

Interessanter ist die Wie-Frage. Aufgewachsen in einem garantiert fernsehfreien und motorsportunbelasteten Haushalt bin ich, im zarten Alter von wahrscheinlich zehn Jahren, mittels der Stadtbücherei München - der Bub soll ja was gscheits lesen - mit dem Medium Autozeitschrift in Berührung gekommen. Da war ein Bericht über irgendeine Rallye. Es war die Zeit der Ford Escort und der Fiat 131 (noch in der gelb-schwarzen Olio-Fiat Lackierung). Walter Röhrl war noch nicht Weltmeister, also muß es 1978 / 79 gewesen sein. Diese Bilder gesehen, diesen Bericht gelesen, das war´s, ich war infiziert. Was uns wieder zur Warum-Frage führt. Forthin habe ich alles gefressen, was man in Sachen Rallye nur kriegen konnte. Meine Möglichkeiten waren lange beschränkt auf Kiosk und besagte Stadtbücherei, in der es doch glatt eine handvoll Bücher zum Thema gab. Für meinen Bedarf war es jedenfalls erheblich zu wenig.

Meine erste Rallye habe ich dann viel, viel später zufällig gesehen. Mit meiner (damaligen) Freundin war ich auf Italien-Urlaub. Nachdem es außer auf Elba in ganz Italien regnete, beschlossen wir auf die Insel zu fahren. Auf der Fähre hatte ich mich noch gewundert, warum die so voll ist, und warum scheinbar die gesamte Jugend von Florenz mit ihren Mopeds Freitag Abend nach Elba will. Irgendwann, mitten in der Nacht auf dem Zeltplatz, ich war sehr tief im Tiefschlaf, baut sich ein Höllenradau in meinen Traum ein. Nur sehr langsam werde ich wach und ich überlege, welches Zwergenhirn mit seinem Moped Kreise um unser Zelt fährt. Und dann noch mit einem Moped ohne Auspuff! Irgendwann langst mir, ich beschließe den Kerl zu töten und klettere ins Freie. Endlich draußen ist da kein Moped. Der ganze Zeltplatz liegt friedlich da, bis auf dieses wahnsinns Motorengeräusch. Was dann noch zu sehen ist, sind mehrere Scheinwerferkegel, die den Berg herunter kamen und den gegenüberliegenden Berg wieder hinauf. Da wurde mir endlich klar was hier gespielt wird und wie das mit der Fähre zusammenpasst. Ich bin dann sofort los, war nur kurz zum Frühstück wieder da, aber nur um den Hunger notdürftig zu stillen und um kund zu tun, dass ich wieder zur Rallye müsse. Der Haussegen (oder muss man Zeltsegen sagen?) hing dann ein bisschen schief.

In den nächsten Jahren war ich immer wieder in Italien beim Zuschauen. Italien ist das Gelobte Land des Rallyesports. Dort trifft alles vorzüglich zusammen: Tolle, nicht enden wollende Straßen in eher einsamen Gegenden, rallye-affine Bevölkerung, schöne Sprache, gutes Essen und tolle Autos. Überhaupt, diese Autos in Italien! Nie habe ich in Deutschland so laute Autos angetroffen wie damals in Italien (heute sind sie dort auch leise). Es war Delta-Integrale-Zeit. Es gab aber auch Sauger: BMW M3 und Opel Kadett. Der Auspuff ging unter der Tür ins Freie, die Schalldämpfung entfiel wohl. Das tat schon beim Anlassen in den Ohren weh, führte aber draußen in den Bergen zu Wahnsinns-Klängen. Nachts, auf irgendeiner Passhöhe, jede Minute ein Scheinwerferkegel, jede Minute glühende Bremsscheiben und dazwischen das An- und Abklingen der Motorengeräusche von mehr wie drei Autos. Sehr emotional und sehr besinnlich. That`s Rallye!

Tja, und irgendwann kommt der Punkt wo man sagt, Zuschauen reicht mir nicht mehr….